Colin Goldner

Mythos Tibet

Wie ein diktatorisches Mönchsregime romantisch verklärt wird
(Nachdruck mit Erlaubnis von diesseits, Zeitschrift für Humanismus und Aufklärung [Berlin].
Der Artikel erschien in Nummer 49/1999, auf Seiten 14-15 anlässlich des Besuches des Dalai Lama in der Bundesrepublik Deutschland in 1999)

Es geht um die Menschen in Tibet, um ihre soziale Befreiung und um ihre individuelle Selbstbestimmung.  Tibet soll frei sein von der chinesischen Miltärdiktatur.  Es soll aber ebenso frei sein vom gewalttätigen religiösen Feudalismus der tibetanischen Lamas.

Das Bild des „alten Tibet”, wie es, verbreitet über unzählige Bücher und Schriften, heute im Westen geläufig ist, zeigt das eines Paradieses auf Erden–des mythischen Shangri-La, das den Menschen ein glückliches und zufriedenes Leben in Einklang mit sich selbst, der Natur und den Göttern zu führen erlaubt habe.  Auch der Dalai Lama selbst beschreibt wortreich das heitere und unbeschwerte Leben, das die Menschen geführt hätten.  Der fortwährende Einfluss des Buddhismus habe eine „Gesellschaft des Friedens und der Harmonie” hervorgebracht.  Mit der Besetzung Tibets durch die Chinesen im Jahre 1950 sei dieses Paradies unwiederbringlich zerstört worden.

Die moderne Geschichtsschreibung weiss längst, dass das „alte Tibet” keineswegs die friedvolle und harmonische Gesellschaft war, die der Dalai Lama ständig beschwört.  Für die Grosse Masse der Bevölkerung war das Leben tatsächlich jene „Hölle auf Erden”, von der in der chinesischen Propaganda stets die Rede ist, und aus der das tibetische Volk zu befreien als Legitimation und revolutionäre Verpflichtung angesehen wurde für den Einmarsch von 1950.

Gnadenlose Ausbeutung

Die herrschende Mönchselite beutete Land und Menschen mit Hilfe eines weitverzweigten Netzes an Klostereinrichtungen und monastischen Zwingburgen gnadenlos aus. Bitterste Armut und Hunger durchherrschten den Alltag in Tibet, es gab keinerlei Bildungs- oder Gesundheitseinrichtungen.  Wie in der Hindu-Gesellschaft Indiens bestand auch in Tibet eine strenge Hierarchie an Kasten, einschliesslich einer Kaste von „Unberührbaren”.  Privilegierte beziehungsweise benachteiligte Lebensumstände wurden erklärt und gerechtfertigt durch die buddhistische Karmalehre, derzufolge das gegenwärtige Leben sich allemahl als Ergebnis angesammelten Verdienstes respektive aufgehäufter Schuld frührerer Leben darstellte.

Das tibetische Strafrecht zeichnete sich durch extreme Grausamkeit aus.  Zu den bis weit in das 20. Jahrhundert hinein üblichen Strafmassnahmen zählten öffentliche Auspeitschung, das Abschneiden von Gliedmassen, das Ausstechen der Augen, das Abziehen der Haupt bei lebendigem Leibe und dergleichen.  Da Buddhisten die Tötung eines Lebewesens prinzipiell untersagt ist, wurden die Deliquenten oftmals bis nahe an den Tod heran gefoltert und dann ihrem Schicksal überlassen.  Starben sie  nun an den Folgen der Tortur, war dies durch ihr eigenes Karma bedingt.

Der Dalai Lama konzidiert neuerdings, das feudale Tibet sei „sicherlich nicht vollkommen” gewesen.  Damit hat's sich aber schon an Selbstkritik.  Die elenden Lebensbedingungen der Masse des Volkes unter dem Joch des Mönchsregimes blended er komplett aus.  Noch immer beschönigt er diese Zustände und nährt damit die romantische Verklärung des alten Tibet.

Diese verklärende Sicht auf Tibet, auch und gerade im Westen, basiert wesentlich auf eklatanter Unkenntnis der historischen Gegebenheiten.  Der theokratische Feudalismus Tibets bestand in seiner bis 1950 herrschenden Form seit Mitte des 17. Jahrhunderts, als es der militanten Sekte der Gelugpa („Gelbmützen”) mit Hilfe der Mongolen gelang, sämtliche Gegner auszuschalten.  Der seinerzeitige Anführer der Gelugpa, bekannt als der „Grosse Fünfte Dalai Lama”, erklärte sich in der Folge zur höchsten geistlichen und weltlichen Authorität des Landes.  Obwohl Tibet 1720 dem Militärprotektorat der Mandschu zugeordnet wurde und ab 1793 vollends zum Vasallenstaat Chinas geworden war, behielt das Regime der Lamas nach innen uneingeschränkte Macht.

Besatzungsmacht China

Der chinesische Einmarsch in Tibet von 1950 gründet mithin in eben diesem geschichtlich hergeleiteten–und sozusagen aus dem Kaiserreich ererbten–Selbstverständnis der Volksrepublik China.  Aus der Sicht Beijings galt und gilt Tibet seit jeher (spätestens seit 1720) als untrennbarer Bestandteil des chinesischen Territoriums; ob die Besetzung insofern völkerrechtlich legitimiert ist oder nicht, lässt sich nicht abschliessend klären.  Vermutlich wird es hierüber auch in Zukunft unvereinbare Ansichten geben.

Die insbesondere im Zuge der Kultur-revolution in den sechziger Jahren von der Volksbefreiungsarmee in Tibet verübten Gewalt- und Zerstörungsakte sind durch nichts zu rechtfertigen und zu entschuldigen.  Dennoch ist den exiltibetischen Verlautbarungen und denen der internationalen Tibet-Unterstützerscene prinzipiell nicht zu trauen: Sie sind, sofern sie nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, in der Regel heillos übertrieben und/oder beziehen sich auf längst nicht mehr aktuelles Geschehen.  Die Behauptung der Exilregierung des Dalai Lama, das „tägliche Leben der Tibeter im eigenen Land” sei bestimmt durch „Folter, psychischen Terror, Diskriminierung und eine totale Missachtung der Menschenwürde” ist reine Propaganda zur Sammlung von Sympathiepunkten beziehungsweise von Spendengeldern; solche Anwürfe spiegeln nicht die gegenwärtige Realität Tibets wider.  Auch die Anwürfe von Zwangsabtreibungen und flächendeckender Sterilisierung tibetischer Frauen, von Überflutung des Landes durch chinesische Siedler, von systematischer Zerstörung des tibetischen Kulturerbes entsprechen nicht den Tatsachen.

Die Dalai Lama als „Gottkönige” Tibets sind demokratisch durch nichts legitimiert, vielmehr werden sie, ebenso wie die sonstigen Gross-Lamas, aufgrund astrologischer und sonstiger Zufallsdeutungen von der Gelugpa für ihre Rolle ausgewählt.  Auch der gegenwärtige Dalai Lama, der sich als vierzehnte Inkarnation seiner Amtsvorgänger vorkommt, wurde als Zweieinhalbjähriger auf solchem Wege ausfindig gemacht.

Geister und Dämonen

Die Doktrin der Gelugpa ist ein abtrusesKonglomerat aus Geister- und Dämomenglauben, verbunden mit menschenunwürdigen Unterwerfungsritualen.  Wie jede Religion basiert sie wesentlich auf raffiniert und gezielt geschürter Angst vor dem Jenseits.  Horrende Monster-, Vampir- und Teufelsvorstellungen durchziehen die Lehre des tibetanischen Buddhismus.  Wer die Gebote der Lamas nicht befolge, finde sich unweigerlich in einer der sechzehn Höllen wieder.  Eine davon bestehe aus einem „stinkenden Sumpf von Exkrementen”, in dem man bis zum Hals versinke; zugleich werde man „von den scharfen Schnäbeln dort lebender riesiger Insekten bis aufs Mark zerfressen und zerpickt.”  In anderen Höllen werde man verbrannt, zerschlagen, zerquetscht, von Felsbrocken zermalmt oder mit riesigen Rasiermessern in tausend Stücke zerschnitten.  Und das, über Äonen hinweg, immer wieder aufs Neue.  Was derlei pathologischer Karma-wahn in den Köpfen einfach strukturierter, ungebildeter Menschen anrichtet–ganz zu schweigen von den Köpfen drei- oder vierjähriger Kinder, die man damit vollstopft–, lässt sich nur mit Schaudern erahnen.

Systematisch werden durch den tibetischen Buddhismus geistes- und seelenverkrüppelte Menschen herangezüchtet.  Wesentliche Bestandteile des Ritualwesens, zu dem auch verschiedenste–in der Regel zutiefst frauenverachtende–Sexualpraktiken zählen, ist die Einnahme „unreiner Substanzen”.  Dazu gehören die fünf Arten von Fleisch (Stier-, Hunde-, Elefanten-, Pferde- und Menschenfleisch) sowie die fünf Arten von Nektar (Kot, Gehirn, Sexualsekret, Blut und Urin).  Als tieferer Grund für derlei tantrische Riten gilt die zu erwerbende Erkenntnis, dass „kein Ding an sich rein oder unrein ist” und alle Vorstellungen von solchen Gegenständen lediglich auf falscher Begrifflichkeit beruhen.  Folglich müsse auch Menschenfleisch gegessen werden.

Opfer solch kollektiven Wahngeschehens ist eine ganze Gesellschaft, die seit Jahrhunderten unter dem Joch dieses von Mönchsgeneration zu Mönchsgeneration weitergegebenen Irrsinns steht.  Opfer sind letztlich aber auch die Mönche und Lamas selbst, die, abgerichtet seit frühester Kindheit und jeder Chance auf eigenständiges Denken und Handeln beraubt, das psychopathische Wahnsystem, in dem sie sich bewegen, nicht als solches erkennen können; die, ganz im Gegenteil, ihr verbogenes und verkrüppeltes Selbstverständnis, ihr Speichellecken und Kotfressen für einen Ausdruck höheren Bewusstseins halten, unabdingbar auf dem „Weg zur Erleuchtung”.

Colin Goldner, Leiter des Forums  Kritische  Psychologie  in München, einer Beratungsstelle für Psychokultgeschädigte.  Er legte zahlreiche esoterik- und okkultismuskritische  Veröffentlichungen  vor.   Zuletzt erschien von ihm „Dalai Lama – Fall  eines Gottkönigs” (Alibri Verlag, Aschaffenburg, 1999).

Terror gegen Kritiker des Dalai Lama
München – Der Münchner Sekten- und Okkultismuskritiker Colin Goldner wird massiv bedroht.  Auslöser ist sein neues Buch über den Dalai Lama und den tibetischen Buddhismus.  Unter anderem werden darin die sexuellen Praktiken der Lamas mit Kindern under die Lupe genommen.  Im September ging ein anonymer Brief bei Goldners Verlag ein, in dem es hiess, der Autor werde „dafür bezahlen müssen”, wenn sein Buch nicht zurückgezogen werde.  Unterzeichnet war das Schreiben mit „Tod dem Verräter”.
     Im Oktober ging ein an Goldner adressiertes Paket beim Alibri Verlag ein, bei dem zuerst der Verdacht bestand, es handle sich um Sprengstoff.  Letztlich enthielt es „nur” eine übelriechende Mischung von Fäkalien und Papier.  Colin Goldner: „Hier zeigt sich, wie weit es mit der angeblichen Friedfertigkeit des tibetischen Buddhismus her ist.  Gewalt zieht sich, auch wenn der Dalai Lama ein anderes Bild zeichnet, wie ein roter Faden durch die Geschichte des Vajrayana-Buddhismus.”
     Ins Bild passt eine „Rezension” des Szene-Magazins „Tibet-Forum”, in dem das Goldner-Buch mit dem Nazi-Kampfblatt „Der Stürmer” gleich gesetzt wird.

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